Zeit ohne Kirchenmusik

„Unser Chor ist eine starke Gemeinschaft“ – Gespräch mit Barbora Yhee

Die gemeinsamen Chorproben sind seit Mitte März ausgesetzt. Da das gemeinschaftliche Singen (verbunden mit tiefer Aus- und Einatmung) derzeit als besonders riskant, werden sowohl die Chorproben als auch der Gemeindegesang bis auf Weiteres nicht stattfinden können. Unsere Kantorin und Chorleiterin, Barbora Yhee, berichtet, wie sie und der Chor diese Zeit erleben.

Was vermisst du in dieser Zeit ohne kirchenmusikalische Veranstaltungen, ohne
 Chor besonders?

Die Chorarbeit ist, neben der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten, ein Schwerpunkt in meiner Arbeit. Im Chor, der Singschule und dem Singkreis treffe ich sonst jede Woche regelmäßig über 90 Menschen. Die Musik und die sozialen Kontakte fehlen jetzt natürlich sehr.

Was vermissen die Chormitglieder besonders?

Das Singen, das nachgewiesenermaßen eine entspannende und stresslösende Wirkung hat, hätten jetzt alle umso mehr gebraucht. Ich verstehe aber, dass es jetzt nicht möglich ist. Unser Chor ist eine starke Gemeinschaft. Wir treffen uns nun regelmäßig zu der normalen Probezeit zum Skype-Gespräch. Ich bin positiv überrascht, wie sich die Chormitglieder umeinander kümmern. Vor allem die Älteren, die nicht über Email oder Skype zu erreichen sind, sind jetzt auf die Solidarität der anderen angewiesen. Und das funktioniert gut.

Wie gehst du beruflich mit dieser „auftragslosen“ Zeit um? Übst du regelmäßig? Studierst du etwas Neues ein?

Ich habe Unmengen an Stücken für Orgel und Klavier, die ich mir „für später“ hingelegt habe und zu denen ich aber nie gekommen bin. An einigen davon arbeite ich zurzeit. Auch die Vorbereitungen der Chorstücke laufen bei mir ganz normal weiter. Am 4.Oktober wollten wir ursprünglich mit dem Chor „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn aufführen. Dahinter steckt für den Chorleiter sehr viel „unsichtbare“ Arbeit. Außer dem Studium des Klavierauszugs, der Partitur und des Dirigats kommen organisatorische Sachen dazu, wie z.B. Stellen von Anträgen für Zuschüsse beim Bezirksamt und vieles mehr.

Die Kindergärten haben weiterhin zu und mein Mann und ich teilen uns den Tag so, dass jeder teilweise arbeiten kann, und teilweise die Kinder betreuen kann. Das funktioniert ganz gut, nur die Stundenzahl, die man für die Arbeit zur Verfügung hat, ist natürlich niedriger als früher.

Wie können sie sich die Chormitglieder die Freude am (gemeinsamen) Singen erhalten?

Dass wir wieder Gottesdienste feiern dürfen, ist für mich ein wichtiger Meilenstein. Leider müssen wir dabei auf den Gemeindegesang verzichten. Darum habe ich eine Aktion gestartet, wo es darum geht, dass unsere Chormitglieder im Gottesdienst solistisch von der Orgelempore unsere historisch und musikalisch sehr wertvollen protestantischen Choräle vortragen. Diese sollen auch weiterhin ein Bestandteil der Gottesdienste bleiben, dafür setze ich mich ein. Ich hoffe sehr, dass viele mitmachen werden.

Welche Angebote könnt ihr von der Gemeinde her dennoch anbieten?

Chorproben über Videokonferenzen kommen für mich erst einmal nicht in Frage. Sie funktionieren nicht in großen Gruppen und würden die ausschließen, die zu Hause nicht über die technische Ausstattung verfügen. Wir entwickeln Konzepte, die es uns ermöglichen, in kleineren Gruppen zu proben. Schon jetzt mache ich mir Gedanken, auf welche Weise wir uns auf das Weihnachtskonzert vorbereiten können. Man muss flexibel bleiben und auf die sich ständig wechselnde Situation reagieren.

  • Ab dem 10. Mai finden wieder regelmäßige Gottesdienste statt. Alle Gemeindemitglieder sind wieder herzlich eingeladen! An einem Gottesdienst dürfen maximal 50 Leute teilnehmen. Wir bitten alle Besucher*innen, einen Mundschutz mitzubringen.
  • Das Oratorium „Die Schöpfung “ wird um ein Jahr auf Herbst 2021 verschoben. Ab wann eine Art von Chorproben möglich wird, ist noch nicht klar.
  • Die Singschulfahrt und die anschließende Aufführung des Musicals „Daniel in der Löwengrube“ wird ebenfalls auf das nächste Jahr verlegt. Für Kinder wird möglicherweise in der letzten Sommerferienwoche statt der Fahrt musisches Programm angeboten. Falls dies erlaubt wird, werden wir in den Gemeinderäumen und im Kirchgarten eine spannende Woche erleben mit Musik, Tanz, Kunst und Bibelgeschichten. Sobald klar wird, dass so eine Aktion möglich ist, finden Sie die Information auf unserer Webseite.
  • Der Singkreis trifft sich bis zum Sommer nicht. Wie es ab August weiter geht, wird im neuen Gemeindebrief berichtet.

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