Partnergemeinde in Indien

Informationen zu unserer Partnergemeinde der Gossnerkirche in Indien

Die Evangelisch-Lutherische Gossnerkirche (Gossner Evangelical Lutheran Church, GELC) ist mit rund 500.000 Mitgliedern die zweitgrößte lutherische Kirche in Indien. Da etwa 95 % ihrer Mitglieder indische Stammesangehörige (Adivasi) sind, versteht sie sich als Adivasi-Kirche. Mit dem Sitz der Kirchenleitung in Ranchi, im Bundesstaat Jharkhand, ist die GELC heute beinahe in ganz Indien verbreitet, besonders jedoch etabliert in Jharkhand und den Nachbarbundesstaaten. Die Gossnerkirche geht zurück auf das Wirken der von Johannes Evangelista Gossner im 19. Jahrhundert entsandten Missionare, von denen die ersten vier 1945 ihre Zelte in Ranchi aufschlugen und mit ihrer Arbeit begannen. Besonders setzten sie sich für die Rechte der Stammesangehörigen ein und waren von Anfang an aktiv im Bereich der Bildung. Das war damals für die Adivasi etwas Besonderes, da sie im indischen Kontext und im Rahmen des brahmanischen Kastenverständnisses als Kastenlose diskriminiert und marginalisiert waren und sind.

Die Entwicklungen im Zuge des ersten Weltkrieges führten zur Autonomieerklärung des ehemaligen Gossnerschen Missionsfeldes. Nachdem alle deutschen Missionare der Gossner Mission gezwungen waren, Indien zu verlassen, entstand die selbständige Gossner Evangelical Lutheran Church in Chotanagpur and Assam im Jahre 1919. Sowohl die Gossnerkirche (mit Sitz in Ranchi) als auch die Gossner Mission (mit Sitz in Berlin) gibt es bis heute. Beide verbindet ein gemeinsames historisches Erbe sowie intensive partnerschaftliche Beziehungen. Mehrere evangelische Landeskirchen in Deutschland sind über die Gossner Mission mit der indischen Adivasi-Kirche verbunden, pflegen ihre ökumenischen Kontakte über partnerschaftliche Begegnungsreisen und unterstützen die Schwestern und Brüder in gemeinsamer Projektarbeit.

Der EKBO-Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree unterhält eine langjährige Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Singhbhum der Gossnerkirche.

Chaibasa, eine Kleinstadt mit etwa 70.000 Einwohnern in Jharkhand ist der Sitz des Kirchenkreis Singhbhum und etwa 150 km von Ranchi entfernt. Durch gegenseitige Besuchsprogramme hat es in den vergangenen Jahren vielfältige Möglichkeiten der Begegnung und der Anteilnahme am Leben der Partner gegeben. Im Jahr 2015 war mit Mukut Bodra ein weltwärts-Freiwilliger aus Chaibasa in der Gemeinde Treptow zu Gast und in viele Gemeindeaktivitäten eingebunden.

Mit dem Wunsch der Chaibasa-Gemeinde, einen eigenen reformpädagogischen Kindergarten einzurichten, hat die Partnerschaft neue Aktzente erhalten. Intensiver Austausch mit Mitarbeiter*innen der kirchlichen Kindergärten aus Lichtenberg-Oberspree sowie finanzielle Hilfen bei den Bauarbeiten machten es möglich, im März 2019 den „Martha-Kindergarten Chaibasa“ feierlich zu eröffnen. Mit dabei waren auch Menschen aus Treptow und anderen Gemeinden aus Lichtenberg-Oberspree. Für dieses Jahr ist es geplant, die Zusammenarbeit und den fachlich-pädagogischen Austausch weiter zu vertiefen, indem die Erzieherin aus dem Chaibasa-Kindergarten, Karuna Tigga, über das Freiwilligenprogramm der Berliner Mission in Kooperation mit der Gossner Mission für einen einjährigen Einsatz im evangelischen Kindergarten in Kaulsdorf kommen soll. Die Corona-Krise hat diesen Plan nun erst einmal auf die Wartebank gesetzt.

Weitere Informationen auf der Website der Gossner Mission: www.gossner-mission.de/pages/indien/unsere-partner.php.

Zur Situation in Chaibasa und Ranchi

In Indien wurde am 24. März ein strikter Lockdown ausgerufen, der das Leben für alle völlig durcheinandergebracht hat. Quasi über Nacht wurden sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel stillgelegt, Grenzen zwischen den Bundesstaaten abgeriegelt und auch die internen Grenzen zwischen den einzelnen Distrikten und Kreisen geschlossen. Alle Bürger wurden aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Lediglich zum Einkauf notwendiger Lebensmittel und Medikamente dürfen sie das Haus verlassen.

Viele Millionen Arbeitsmigranten, die zuvor aus den Dörfern in die großen Städte gezogen waren, um dort Arbeit zu finden, hatten über Nacht dieselbe verloren und wollten nur noch eines: nach Hause. Die Bilder von unzähligen Menschen, die sich mit ihren Familien und ihrer Habe auf den Fußmarsch Richtung Heimat gemacht hatten, gingen um die Welt. Besonders schlimm hat der Lockdown die Menschen getroffen, die schon vorher in ökonomisch schwierigen Verhältnissen lebten. Tagelöhner, Rickschafahrer, die auf die tägliche Bezahlung angewiesen waren, hatten sofort jegliche Einnahmequellen verloren. Und so waren die Effekte des indischen Lockdowns sofort spürbar. Auch wenn es erlaubt ist, in den wenigen noch offenen Geschäften Lebensmittel einzukaufen, ist das für viele Familien nicht mehr möglich, weil das Geld nicht vorhanden ist.

In Chaibasa hat die Kirchengemeinde relativ schnell reagiert und damit begonnen, Lebensmittelpakete an bedürftige Familien zu verteilen. Gemeindeglieder, denen es wirtschaftlich besser geht, zögerten keine Minute und folgten dem Aufruf der Superintendentin Emlen Guria, sich durch ihre Gaben an dieser notwendigen Aktion zu beteiligen. Somit konnten 100 Familien erreicht werden.

Der Lockdown hält weiterhin an. Doch auch wenn die indische Zentralregierung über Lockerungen nachdenkt, haben bereits mehrere Bundesstaaten angekündigt, den Shutdown in ihren Hoheitsgebieten weiter aufrechtzuerhalten – darunter auch Jharkhand. Die Sorge vor dem bevorstehenden Kollaps des maroden Gesundheitssystems ist einfach zu groß. Für das riesige Land mit etwa 1,3 Milliarden Einwohnern fällt die Zahl der registrierten Infektionen bisher noch verhältnismäßig gering aus. Doch die Zahlen steigen trotz striktem Lockdown stetig. Die direkten Folgen des indischen Lockdowns haben dazu geführt, dass ein großer Teil der Bevölkerung auf Lebensmittelhilfen angewiesen ist, um die eigenen Familien ernähren zu können. Und mit der berechtigt wachsenden Sorge um die gesundheitliche Situation wird sich dieser schwierige Zustand wohl weiter zuspitzen.


Einen Kommentar schreiben